„Schwermut und Abenteuer des Hausbaus“ hat der Münchner Illustrator und Zeichner Gottfried Müller eine Serie von 24 ebenso poetischen wie hintersinnigen Blättern genannt, die ganz dem Thema Architektur gewidmet sind. Der Künstler, ausgebildet an den Kunsthochschulen Leipzigs und Münchens, verfügt über vielseitige Talente. Nicht nur ist er ein brillanter und vielseitiger Zeichner, er erfindet zu den fiktionalen Bauten auch noch fabelhaft komische Geschichten: knapp und überaus lakonisch erzählt. Inhaltlich wie auch formal erinnern sie ein wenig an die stets harmlos anhebenden und dann ins Absurde kippenden Texte des Schriftstellers Reinhard Lettau. Die Geschichten, die Müller erzählt, sind unverzichtbarer Bestandteil der Blätter, die ihrerseits wie ältliche Karteikarten liniert und beschriftet sind. Es ist eben diese an amtliche Berichte erinnernde Darstellungsform, die den ganz eigentümlichen Reiz dieser Publikation ausmacht. Zu beziehen ist die signierte und nummerierte Mappe (Auflage 1000) für 80 Euro im Direktversand über www.agentur-fa.de

Am Beginn des kreativen Prozesses steht, wie Müller berichtet, immer die optische Idee, also das Bild eines Gebäudes, dessen Form von eigenartigen Umständen geprägt und im weiteren durch eher undurchsichtige Entwicklungen verändert wurde. Nicht zufällig sind die Häuser, die Müller sich ausdenkt, meist älteren Baujahrs: Denn ihr Schöpfer muss ihnen hinreichend Raum und Zeit geben, damit sie zum Schauplatz mehr oder weniger dramatischer Geschehnisse werden können. Entsprechend selten finden sich in der Mappe auch Blätter, in denen es um „zeitgenössische“ Architektur geht. – Hauptfigur der Geschichten ist meist ein Bauherr mit verschrobenen Lebensgewohnheiten und bizarr vernagelter Denkweise, der Ursache und Anlass für Umbauten des jeweiligen Hauses liefert; oft wird seine architektonische Hinterlassenschaft auch Auslöser für Konflikte der Nachkommenschaft. Fazit: ein brillantes Werk, das zum Schmunzeln herausfordert und öfter noch haltloses Gelächter provoziert – nicht nur bei Freunden der Architektur und Baugeschichte.

Christian Marquart, 2008